Kategorie-Archiv: Allgemein

Die Macht der Dankbarkeit

Wenn wir abends unseren Tag Revue passieren lassen, gehen uns viele Gedanken durch den Kopf. Meistens sind dies Dinge, die uns ärgern, die nicht so toll gelaufen sind. Da hat eine Kollegin eine dumme Bemerkung gemacht, wir waren aber zu perplex, um schlagfertig zu reagieren. Wir standen wieder im Stau und kamen zu spät zur Arbeit. Das Kind hat eine schlechte Note nach Hause gebracht, obwohl wir das ganze Wochenende zusammen gelernt hatten. Der Partner ist zu müde, um mit uns in einen Kinofilm zu gehen, auf den wir uns schon lange gefreut hatten… und so weiter und so fort. Sie kennen das.

Wie wäre es denn, wenn wir uns nach einem arbeitsreichen Tag einfach einmal hinsetzen würden und uns die Dinge notierten, über die wir uns gefreut haben, die in uns ein gutes Gefühl hinterlassen haben, für die wir einfach dankbar sind. Das mag am Anfang etwas mühsam sein, denn wie wir feststellen werden, sind die negativen Dinge für uns präsenter, bleiben länger im Gedächtnis. Mit etwas Übung kommen jedoch die positiven Dinge in unser Bewusstsein. Das kann das Vogelgezwitscher beim Aufwachen, das morgendliche Wohlgefühl bei einer Tasse Kaffee und der Zeitung sein, die hilfsbereite Geste einer Kollegin, oder die aufmunternden Worte einer Freundin. Wenn Sie erst einmal angefangen haben, sich die guten Dinge des Tages bewusst zu machen und sich auch dafür zu bedanken, steigern Sie nicht nur Ihre Stimmung, sondern stärken auch Ihr Immunsystem, das ist wissenschaftlich bewiesen.

Dankbar sein hat aber nichts mit positivem Denken zu tun, wo wir uns Dinge schönreden und uns damit die Realität verschleiern. Dankbarkeit zeigen für die Dinge, die im Alltag gut gelaufen sind oder uns erfreut haben, heißt, in seine Kraft zu kommen. Durch das Gute, Schöne, was uns widerfahren ist, sind wir gestärkt und können so eher die Dinge aushalten, die nicht so gut laufen. In dem wir dankbar sind für die schönen Dinge unseres Lebens, schaffen wir ein kraftvolles Energiefeld, das bewirkt, dass noch mehr schöne Dinge in unser Leben treten. Probieren Sie es einfach mal aus. Es funktioniert!

Hierzu noch ein Buchtipp: Die Macht der Dankbarkeit von Alfred R. Stielau-Pallas

Sonnenfinsternis

Eine Sonnenfinsternis ist ein Spektakel, das sich alle paar Jahre wiederholt und die Menschen in seinen Bann zieht. Obwohl wir wissen, wie so eine Sonnenfinsternis zustande kommt, nämlich durch die Tatsache, dass der Mond genau zwischen Erde und Sonne steht, und diese damit teilweise oder ganz abdeckt, ist die Faszination groß.

Für unsere Vorfahren war so eine Sonnenfinsternis oft mit starken Ängsten verbunden, denn sie konnten sich diese ja noch nicht rational erklären. In China glaubte man zum Beispiel, dass ein großer Drache die Sonne fressen würde, in Brasilien nahm man an, dass ein großer Vogel die Sonne mit seinen Flügeln verdeckt und die Chippewa-Indianer dachten, die Sonne würde endgültig erlöschen und schossen daher mit ihren Pfeilen in ihre Richtung, um sie wieder zum Strahlen zu bringen. Die Sonne ist unser Lebensspender, mit ihrem Licht und ihrer Wärme sichert sie unser Leben hier auf der Erde. Würde sie verlöschen, wäre auch unser Leben zu Ende. So hatten unsere Vorfahren Angst um ihr Leben, denn sie wussten ja nicht, dass der Mond nach einigen Minuten den Blick auf die Sonne wieder freigibt und sie wieder scheinen lässt.

Ich selbst erinnere mich noch gut an die totale Sonnenfinsternis am 11. August 1999, die man hier bei uns in Süddeutschland gut beobachten konnte. Unsere Kinder waren damals 8 und 6 Jahre alt, also alt genug, um sich für dieses Spektakel begeistern zu lassen. Leider waren an diesem Tag viele Wolken angesagt und wir waren nicht sicher, ob wir die Sonne wirklich zu sehen bekämen. Also fuhren wir – alle vier mit Brillen ausgestattet – der Sonne entgegen. Wo immer wir auch unser Auto parkten und ausstiegen, schoben sich Wolken vor die Sonne. Wir waren schon ganz aufgeregt, denn es waren nur noch wenige Minuten, bis zur totalen Sonnenfinsternis. Aber wir waren auch nicht bereit aufzugeben, wir waren fest entschlossen, dieses Ereignis in voller Schönheit mitzuerleben. Mein Mann hängte sich immer wieder ans Steuer und fuhr einige Kilometer weiter bis zu einer Wolkenlücke, aber sobald wir ausstiegen, schoben sich Wolken vor die Sonne. Wir waren fast schon am Verzweifeln, als sich die Wolken plötzlich zurückzogen und die Sonne freigaben, vor die sich soeben der dunkle Mondschatten geschoben hatte. Fasziniert schauten wir alle vier in Richtung Himmel und jeder von uns hat gespürt, dass da etwas ganz Eigenartiges vor sich ging. Es wurde dunkler, die Vögel hörten auf zu zwitschern und es war für einen kurzen Moment so, als wenn die Welt still stehen würde. Ein kurzer Augenblick nur, und dann war alles schon wieder vorbei.

So eine Sonnenfinsternis ist eigentlich ein wunderbarer Moment, um kurz innezuhalten und sich bewusst zu machen, wie sehr wir mit der Natur verbunden sind und wie sehr wir sie brauchen, um zu leben.

Leben im Jetzt, Teil 2

IMG_5231 klein

“Sorge dich nicht, lebe” heißt ein Bestseller von Dale Carnegie, in dem er beschreibt, wie man sich von alltäglichen Sorgen und Ängsten befreien kann, die einen nur daran hindern, im Augenblick zu leben und es damit immer wieder verhindern, einfach glücklich zu sein. Sobald wir jemanden lieben, sei es unser Partner, unsere Kinder, Verwandte oder Freunde, sorgen wir uns auch um sie. Natürlich möchten wir, dass es ihnen gut geht, dass sie glücklich sind. Aber seien Sie mal ehrlich, hat Ihre Sorge um Ihre Mitmenschen diesen jemals wirklich geholfen?

Sorgen und Ängste sind nämlich immer in die Zukunft gerichtet, d.h. sie bringen uns weg vom Augenblick. Wir machen uns zu viele Gedanken, um das, was passieren könnte. Wenn unser Denken aber in die Zukunft gerichtet ist und unsere Gedanken ständig abschweifen, kommen in den allermeisten Fällen Ängste hoch. Das ist normal, denn wir wissen ja nicht, was morgen, in ein paar Tagen oder Jahren geschehen wird. Dies verschafft und ein Gefühl von Unsicherheit. Wir haben keine Kontrolle mehr.

Negative Gedanken aber lähmen unsere Aktivität. Sie sind der Feind des Augenblicks. Wenn unser Leben zu sehr in die Zukunft gerichtet ist, vergessen wir, im jetzigen Moment zu leben. Nur hier findet das Leben statt. Wie oft machen wir uns über ein zukünftiges Ereignis Sorgen, grübeln und schlafen nachts schlecht. Ist dieses Ereignis jedoch da, haben wir die Kraft und Energie, es zu meistern und unsere Ängste und Sorgen waren wieder einmal umsonst.

Sich um jemanden zu sorgen, wird meist mit Liebe gleichgesetzt. Dabei haben Sorgen mit Liebe überhaupt nichts zu tun. Sorgt man sich z.B. um seine Kinder, lähmt man nur sich selbst. Den Kindern hilft das gar nichts. Lebt man jedoch bewusst in jedem Augenblick, spürt man die eigene Stärke und schenkt seinen Lieben dadurch Kraft und Selbstbewusstsein, ihre Situation alleine zu meistern. Bewusste und starke Menschen strahlen Sicherheit aus. Sicherheit, dass am Ende alles gut ist. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Herr Carnegie hat übrigens einen Kalender herausgebracht, mit wunderschönen Bildern und Worten, die einen 365 mal im Jahr daran erinnern sollen, im Hier und Jetzt zu sein – eine unbedingte Kaufempfehlung!

Leben im Jetzt, Teil 1

Im Hier und Jetzt zu leben, nur den Augenblick wahrzunehmen und genau diesen Moment mit Leben zu füllen, hört sich zwar leicht an, ist aber kein leichtes Unterfangen. Für mich jedenfalls. Viele spirituellen Meister lehren uns, wie wichtig es ist, im Jetzt präsent zu sein, denn nur hier findet das Leben statt. Nur im jetzigen Moment können wir aktiv sein, etwas bewirken. Die Vergangenheit ist längst passé, was einmal gesagt oder getan ist, kann man nicht mehr rückgängig machen. Ähnlich verhält es sich mit der Zukunft. Was noch nicht geschehen ist, kann ich theoretisch noch beeinflussen, aber eben nur im jetzigen Augenblick, also erst, wenn die Zukunft zum Jetzt geworden ist. Alles, was in der Zukunft passieren wird, ist vom jetzigen Zeitpunkt aus gesehen reine Spekulation. Es ist also völlig unproduktiv, sich mit der Vergangenheit und der Zukunft allzu lange zu beschäftigen.

Für mich selbst habe ich zwei Erkennungszeichen ausgemacht, die mir zeigen, dass ich mich nicht im Hier und Jetzt befinde. Diese zwei Kennzeichen sind Schuldgefühle und Sorgen.

Schuldgefühle resultieren immer aus der Vergangenheit. Sie entstehen als Folge meines Verhaltens. Ich quäle mich mit einem Ereignis herum, das schon längst vorbei ist, weil ich denke, ich hätte anders handeln sollen oder müssen. Schuldgefühle sind der absolute Feind des Augenblicks, denn sie bringen einen dazu, in der Vergangenheit herumzuwühlen und sich mit Dingen zu beschäftigen, die sowieso nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Mit Schuldgefühlen sind wir schon von Kindesbeinen an vertraut. “Du bist kein braves Kind, wenn du das noch einmal tust”. “Du solltest dich schämen!”. “Wenn du deine Hausaufgaben nicht machst, wird später nichts aus dir werden!” Auch in der Partnerschaft werden sie gerne hervorgeholt: “Du liebst mich nicht genug, sonst würdest du dich anders verhalten!”, oder: “Komm mir bloß nicht zu nahe, nachdem du mich so enttäuscht hast”.  Die berufliche Variante kann so oder ähnlich lauten: “Wenn Sie nicht bereit sind Überstunden zu machen, sollten Sie mal überlegen, ob dies die richtige Stelle für Sie ist” und so weiter und so fort.

Leider sind es nicht nur unsere bösen Mitmenschen, die uns Schuldgefühle eintrichtern. Das können wir nämlich selbst auch ganz gut, z.B. wenn wir irgendwelche Vorschriften, moralischen Gesetze oder selbstauferlegte Normen übertreten haben. Man kann sich Vorwürfe machen, wenn man zu jemandem grob war, wenn man seine Eltern zu selten besucht oder wenn man ein gutes Buch liest, obwohl man den Dachboden aufräumen sollte…die Liste ist lang.

Wenn man sich mit Schuldgefühlen ertappt, sollte man sich immer klar machen, dass dies völlig unnütze Gedanken sind. Selbst wenn man sein Handeln zutiefst bereut, kann man es nicht mehr ungeschehen machen. Solch ein  Denken führt uns weg vom Jetzt, also vom eigentlichen Leben, und lähmt jegliche Aktivität.

Über den zweiten Störenfried des Lebens im Hier und Jetzt, die Sorgen, lesen Sie demnächst hier in diesem Blog.

Der König und das Rätsel

Der König und das Rätsel

Ein König hatte zwei Söhne und als er sich alt und gebrechlich fühlte und sein baldiges Ende kommen sah, stellte er ihnen ein Rätsel. Derjenige, der das langsamste Pferd hat, soll sein gesamtes Vermögen erben. Der Weg sollte vom Schloss in die Stadt und wieder zurück führen. Das ließen sich die beiden Söhne nicht zweimal sagen, setzten sich auf ihr Pferd und trabten los. Sobald der eine voran ritt, zügelte er sein Pferd, damit der andere ihn überhole. Genauso tat es der andere, was jedoch zur Folge hatte, dass die beiden irgendwann stehen blieben und keiner mehr wagte, sich nur einen Millimeter zu bewegen. So kamen sie nicht weiter. Was sollten sie nur tun?

Wie immer in solchen Situationen kam ein weiser alter Mann des Wegs. Sie fragten ihn um Rat. Er bat sie abzusteigen und sich zu ihm zu setzen. Nach einem kurzen Gespräch sprangen die beiden Söhne plötzlich auf, schwangen sich in den Sattel und ritten in schnellem Tempo davon und bald stand der Sieger fest. Was hatte der weise, alte Mann den beiden geraten?

Die Lösung ist, wie so oft, verblüffend einfach. Der Weise hatte den beiden geraten, die Pferde zu tauschen…

Der Zufall und das Flugzeugunglück

IMG_5269 klein

Ende Dezember verunglückte eine indonesische Maschine der AirAsia. Ein Flugzeugabsturz, wie schon zweimal zuvor im Jahr 2014. Wir alle haben die Bilder der verzweifelten Menschen gesehen, die zum Flughafen gekommen waren, um zu erfahren, dass ihre Angehörigen den Flug höchstwahrscheinlich nicht überlebt hatten. Mitten unter diesen Menschen sind aber auch einige, die den Flug abgesagt oder verpasst hatten. Man spricht von 26 Menschen, die nicht im Flugzeug waren, und die deshalb noch leben. Unter ihnen ein Mann, der eine Email nicht öffnete, in der ihm mitgeteilt wurde, dass der Flug zwei Stunden früher starten würde. Oder ein Großvater, der seine Familie dadurch vor dem Absturz rettete, in dem er krank wurde, so dass die Familie den Flug absagte. Wer mehr darüber lesen möchte, bitte hier entlang.

Solche Ereignisse passieren ständig und überall auf der Welt. Wie in obigem Artikel werden sie als Wunder bezeichnet. Meist werden sie dem Zufall zugeschrieben. “Zufällig” wurde der Opa krank. Aber war es wirklich Zufall, dass der Familienvater seine Email nicht geöffnet hat und seine ganze Familie dadurch den Flug verpasste? Ich bin der Überzeugung, dass alles, was uns widerfährt, eine Bedeutung für uns hat. Nichts geschieht rein zufällig.

Ein Zufall enthält immer eine Chance, eine Gelegenheit, wie uns die englische Sprache zu verstehen gibt, denn “zufällig” heißt im Englischen “by chance“. Ein Ereignis, das zufällig in unser Leben tritt, hat also immer eine Bedeutung für uns, wir müssen sie nur entschlüsseln.

Die 26 Menschen jedenfalls, die nicht im Flugzeug saßen, obwohl sie ein Flugticket besaßen, werden dem Schicksal sicherlich unendlich dankbar sein für die zweite Chance, die sie bekommen haben. Das Neue Jahr 2015 wird für sie ganz bestimmt eine besondere Bedeutung haben. Auch wenn Sie keinen so spektakulären Jahreswechsel hinter sich haben, wünsche ich Ihnen ein gutes Neues Jahr und offene Augen und Ohren für alle Zufälle, die Ihren Weg noch kreuzen werden.

Polarität und Fixierung

Jeder von uns hat Ansichten, Meinungen, Standpunkte. Wenn ich für etwas bin, heißt das im Gegenzug, dass ich das Gegenteil ablehne. Ich bin für den Frieden, also gegen den Krieg, für Gesundheit, also gegen Krankheit, für das Gute, also gegen das Schlechte. Fakt ist aber, dass jedes Ding einen Gegenpol hat und nicht alleine existieren kann. Wir können uns nicht gesund fühlen, wenn wir nicht wüssten, was Krankheit bedeutet.

Sobald wir nur einem Pol Beachtung schenken, sind wir fixiert. Wenn wir ein Problem haben und uns keine Lösung einfällt, können wir über den Gegenpol meist leichter zum gewünschten Ergebnis kommen. Wenn ich beide Seiten einer Sache betrachte, dann löse ich die Fixierung, ich schwebe sozusagen über den Dingen und kann sie aus einer anderen Perspektive heraus betrachten. Wir glauben nämlich immer, durch unsere Aktivität die Dinge verändern zu können. Aber wahre Aktivität entsteht immer aus der Ruhe. Bin ich ständig unter Strom, hetze von einem Termin zum anderen, mag ich mich zwar gut und wichtig fühlen, denn ich tue ja so unglaublich viel, aber ich merke dabei gar nicht, dass mich die Dinge im Griff haben und nicht umgekehrt.

Eine gute Übung könnte z.B. darin bestehen, sich dem Gegenpol einer Sache ganz bewusst zu nähern. Wenn ich z.B. der Überzeugung bin, ich muss immer alles richtig machen, um erfolgreich zu sein und anerkannt zu werden, wäre die Lösung, an einem einzigen Tag einmal bewusst alles falsch zu machen. Das könnte schon nach dem Aufstehen anfangen, dass man sich die Unterhose falsch herum anzieht, ebenso die Socken, nämlich mit der Innenseite nach außen. Bis jetzt würde das noch keinem auffallen. Zieht man allerdings zweierlei Schuhe an, wäre es schon offensichtlicher. Dann könnte man in den falschen Bus einsteigen und schauen, wo man landet. Da gibt es noch tausend Möglichkeiten. Zugegeben, das ist eine recht heftige Übung und schon eher etwas für Fortgeschrittene. Der Tag würde sicherlich unerwartete Wendungen nehmen, die man vielleicht sogar recht angenehm findet. Sicherlich entdeckt man viel Neues und merkt, dass es kein Weltuntergang ist, wenn die Dinge mal nicht so laufen, wie man es gewohnt ist. Dies ist schon der erste Schritt, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind.

Rituale

_MG_4914 klein

Es ist wieder Weihnachtszeit. Gerade diese Zeit ist voll gespickt mit Ritualen. Angefangen vom Adventskalender, über das Anzünden der Kerzen im Advent, dem Backen von Plätzchen, dem Aufstellen und Schmücken des Christbaums, dem Besuch der Christmette, dem Weihnachtsmenü und den Besuchen bei der Verwandtschaft. Man mag zu Weihnachten stehen, wie man will, aber man kann sich diesen Ritualen nur schwer entziehen. Es mag ja viele Menschen aufregen, im Radio und in den Kaufhäusern ständig von “Last Christmas” und “Stille Nacht” berieselt zu werden. Aber hat es nicht auch etwas Altbekanntes, Gewohntes, Vertrautes, wenn man jetzt abends durch die weihnachtlich dekorierten Straßen und die erleuchtete Stadt streift und es an jeder Ecke nach Glühwein, Bratwurst und heißen Maroni duftet? Ob man sich dem Weihnachtsstress ausliefert und bis zum letzten Tag nach Geschenken hetzt, ist jedem seine Sache. Vielleicht macht man es dieses Jahr einmal ganz anders, und nimmt sich vor, bis Anfang Dezember alle Geschenke eingekauft zu haben, oder man entscheidet sich dafür, sich gar nichts zu schenken. Zu der Option, es dieses Jahr einmal ganz anders zu machen, hat man jährlich wiederkehrend die Gelegenheit. Ist das nicht schön?

Rituale sind für uns Menschen wichtig. Es gibt sie, seit es Menschen gibt. Laut Wikipedia ist ein Ritual eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende, meist formelle und oft feierlich-festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt. Sie wird häufig von bestimmten Wortformeln und festgelegten Gesten begleitet und kann religiöser oder weltlicher Art sein (z. B. Gottesdienst, Begrüßung, Hochzeit, Begräbnis, Aufnahmefeier usw.).

Rituale geben Halt und Orientierung. Kinder lieben Rituale. Als meine Kinder noch klein waren, durfte ich um Himmels Willen keines unserer Rituale ändern, das wurde mit lauter Entrüstung quittiert. Selbst heute bestehen sie noch darauf, von mir einen Adventskalender zu bekommen, obwohl sie längst erwachsen sind.

Alle Religionen leben von Ritualen. Buddhisten verneigen sich am Anfang und Ende einer Meditation und rezitieren Mantren. Auch eine christliche Messe wäre ohne Rituale gar nicht denkbar. Nur so ist es z.B. möglich, einen katholischen Gottesdienst am anderen Ende der Welt mitzufeiern, auch wenn man die Sprache nicht kennt. Rituale sind vertraut und schaffen Gemeinschaft und Zusammenhalt. Sie vermitteln Kontinuität und Beständigkeit. Eine Hochzeit lebt von Ritualen, angefangen vom Outfit, dem weißen Brautkleid, dem Sammeln von Pfennigen für die Schuhe, das Tauschen der Ringe, das Anschneiden der Hochzeitstorte, die Entführung der Braut, die Hochzeitsnacht etc.

Selbst unsere Berufswelt ist voll von Ritualen. Der Arzt im weißen Kittel rauscht mit seinem ebenfalls in weiß gekleideten Gefolge einmal täglich von Krankenhausbett zu Krankenhausbett und der Richter verkündet sein Urteil in einer langen schwarzen Robe, die überhaupt nicht mehr unserem derzeitigen Kleidungsstil entspricht.

In wenigen archaischen Kulturen finden sich heute noch wichtige Rituale, mit deren Hilfe schwierige Lebensübergänge gemeistert werden. Bei den Aborigines muss z.B. jeder Junge im Wald sein eigenes Grab schaufeln, wird darin bis zur Nasenspitze eingebuddelt und muss so die ganze Nacht allein verbringen. Am nächsten Morgen wird er von der Dorfgemeinschaft wieder heimgeholt, ist jetzt zum Mann geworden und wird auch so akzeptiert. Fehlen solche Rituale, wie in unserer modernen Welt, müssen Jugendliche sich und anderen durch waghalsige Aktionen, wie z.B. Bungee-Jumping, Autorennen oder Alkoholexzesse beweisen, dass sie ihre Kindheit hinter sich gelassen haben.

Rituale leben davon, dass sie immer wieder unverändert durchgeführt werden. Dies gibt ein Gefühl von Stabilität, Sicherheit und verschafft uns Menschen eine Art gemeinsames Bewusstseinfeld. Und wenn ich dann Ende Dezember “Last Christmas” nicht mehr hören kann, mir von den ganzen Lebkuchen und Weihnachtsplätzchen schlecht ist und ich froh bin, meine Weihnachtsdekoration wieder in die Kisten verpacken zu können, freue ich mich trotzdem nächstes Jahr Anfang Dezember wieder wie ein Schneekönig auf das Weichnachtsfest.

Was wirklich wichtig ist

Stellen Sie sich vor, es ist Samstag, endlich Wochenende! An diesem freien Tag haben Sie sich vorgenommen, ihren Geräteschuppen aufzuräumen, da sie in diesem Durcheinander wirklich nichts mehr finden und die Fahrräder schon seit langem draußen stehen müssen, weil drin kein Platz mehr ist. Sie sind fest entschlossen, nach dem Frühstück anzufangen, da klingelt das Telefon und eine alte Freundin ist dran, die sich schon seit Jahren nicht mehr gemeldet hat. Sie sind erfreut und bis alle Neuigkeiten ausgetauscht sind, ist eine Stunde vergangen. Dann ruft ihr Sohn an, der mit einem platten Reifen irgendwo in der Stadt steht und abgeholt werden möchte. Danach ist Zeit, das Mittagessen zu kochen, nachmittags benötigt die Tochter Hilfe bei einer Präsentation für die Schule und so geht es den ganzen Tag weiter, bis es zu spät ist, um mit dem Aufräumen des Schuppens zu beginnen. Abends ist man müde und kaputt, hat viel geschafft, aber nicht das erledigt, was man sich eigentlich vorgenommen hatte. Dies hinterlässt ein unbefriedigendes Gefühl in uns.

Solche Situationen passieren tagtäglich, nicht nur am Wochenende, sondern auch am Arbeitsplatz im Büro. Unser Vorgesetzter sagt uns: “Bitte erledigen Sie das, wenn möglich sofort, es ist wichtig”. Er sagt es, aber eigentlich meint er: “es ist dringend”. Wie kommt es, dass wir diese beiden Begriffe so oft durcheinander bringen?

Das Wort “dringend” kommt von “drängen” und hat mit Druck, Stress und Hektik zu tun. Das Wort “wichtig” dagegen hat den gleichen Wortstamm wie “Gewicht”. Einer Sache Gewicht oder Bedeutung verleihen wird assoziiert mit Zufriedenheit,  Genugtuung und Langfristigkeit. Wichtige Themen sind also meist immer langfristig von Bedeutung. Dem einen ist es wichtig, gesund zu werden oder zu bleiben, dem anderen einen sportlichen Erfolg zu erreichen. Wieder anderen ist es wichtig, sich ein finanzielles Polster zu schaffen, um keine Geldsorgen zu haben. Für andere ist vielleicht die Selbstständigkeit im Beruf von Bedeutung. Wieder andere träumen davon, einmal im Leben einen Porsche zu besitzen. Auf jeden Fall gilt, alles was dem einen oder anderen wichtig ist, kann dringend oder eben weniger dringend sein. Entscheidend ist, dass wir den Unterschied kennen und die beiden Begriffe nicht in einen Topf werfen. Denn wirklich zufrieden, erfüllt und sogar glücklich fühlen wir uns nur, wenn wir die für uns wichtigen Themen anpacken.

Generell kann man sagen, dass eine Sache dringender wird, je länger man sie aufschiebt. Also empfiehlt es sich, möglichst viele Dinge frühzeitig zu tun, damit sich kein Druck aufbaut. Dann ist man auch frei, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die einem wirklich wichtig sind.

Zufall oder Schicksal

_MG_2096 bearb

Letztes Jahr fuhr ich zu einer Fortbildung nach Berlin und traf dort eine Freundin wieder, die ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gesehen hatte. Wir verbrachten zwei wundervolle Tage und durch dieses Treffen wurde unsere Freundschaft neu belebt. Zufall?
Ein Schweizer Bürger infizierte sich durch eine afrikanische Mücke mit Malaria, obwohl er überhaupt noch nie afrikanischen Boden betreten hatte. Die Mücke war im Flugzeug in die Schweiz “gereist”. Zufall oder Schicksal?
Ein Mann und eine Frau überlebten die Tsunami-Katastrophe vor der Küste Malaysias, verloren dort aber ihre gesamten Familien. Ein Jahr später begegneten sie sich zum ersten Mal am Unglücksort, verliebten sich ineinander und heirateten. Zufall oder Schicksal?

Vor einigen hundert Jahren glaubten die Menschen noch fest an schicksalhafte Begebenheiten. Sie sahen einen Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und Ereignissen in ihrem Leben. Naturkatastrophen, wie eine Überschwemmung oder ein Blitzschlag wurden als Strafe Gottes gesehen, als das Mittel einer höheren Macht, sie auf ihre Fehler aufmerksam zu machen und sie wieder auf den rechten Weg zu bringen.

Uns modernen Menschen, die für alles eine wissenschaftliche Erklärung brauchen, fällt dieser Glaube an Schicksal schon erheblich schwerer. Tritt etwas Unvorhergesehenes in unser Leben, das wir nicht deuten und in keinen Zusammenhang bringen können, bezeichnen wir es als Zufall. Wikipedia definiert den Zufall als einzelnes Ereignis oder das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse, für die keine kausale Erklärung gegeben werden kann. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Wort “Zufall” erst im 17. Jahrhundert in unserem Sprachgebrauch auftaucht.

Keine kausale Erklärung heißt also, man kann keine Ursache für ein bestimmtes Ereignis erkennen. Die Tatsache, dass man keine Ursache erkennen kann, bedeutet aber noch lange nicht, dass es keine Ursache gibt. Also entsteht Zufall nur durch unsere Unwissenheit. Dass wir uns aber so oft als unwissend empfinden und die Zusammenhänge nicht sehen können, liegt in unserem kausalen Denksystem begründet. Eine andere Möglichkeit, Ereignisse zu deuten, ist das analoge Denken, das auf den Psychologen und Arzt C.G.Jung zurückgeht. Er schuf den Begriff Synchronizität. Damit bezeichnete er alle Ereignisse, die nicht in einen kausalen Zusammenhang gebracht werden können, aber dennoch miteinander verbunden sind. Als Erklärung soll hier folgendes Beispiel aus seiner Praxis dienen:
Eine junge Patientin hatte während ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus (eine Käferart) zum Geschenk erhielt. Während sie in einer Therapiesitzung von dem Traum erzählte, stieß ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster. Es war ein Blatthornkäfer, eine dem Skarabäus verwandte Art, die in unseren Breiten heimisch ist. Gerade in diesem Moment fühlte er sich, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten veranlasst, in dieses Behandlungszimmer einzudringen.

Solche Analogien finden wir überall in unserem Umfeld, wir sollten nur lernen, sie auch wahrzunehmen. Hierzu ein Buchtipp: “Der Zufall als Coach” von Thomas Eckerle. Dann werden wir auch erkennen, dass es gar keine Zufälle gibt.