Happy Birthday Udo Jürgens

Noch ein Geburtstagskind. Udo Jürgens feiert heute seinen 80. Geburtstag. Man mag es kaum glauben. Udo Jürgens begleitet mich seit meiner Kindheit. Seine zahlreichen Hits aus den 70er und 80er Jahren, wie „Aber bitte mit Sahne“ oder „Griechischer Wein“ oder „Ein ehrenwertes Haus“ kennt doch fast jeder und man kann sie immer noch relativ textsicher mitsingen, falls sie mal wieder im Radio gespielt werden. Aber Udo ist und kann mehr als ein Schlagersänger. Seine Texte, die mal poetisch, mal messerscharf und sehr kritisch, und in ihrer schlichten Wahrheit genau den Nagel auf den Kopf treffen, höre ich gelegentlich richtig gerne. Ich bin kein großer Udo-Jürgens-Fan aber ich gebe zu, dass mich seine Art zu singen, sein engagiertes Auftreten und die Tatsache, dass er sich in keine Schublade stecken lässt und einfach Udo ist, auf irgendeine Art emotional sehr anspricht.

Vor einigen Jahren las ich seine Autobiographie „Der Mann mit dem Fagott“ und konnte das Buch (fast) nicht mehr aus der Hand legen. Ich hatte nicht erwartet, so eine spannende, ehrliche und gut erzählte Lebensgeschichte vorzufinden, die bis ins Russland des frühen 20. Jahrhunderts reicht, wo Udos Familie väterlicherseits herstammt. Er verbrachte eine wunderschöne Kindheit auf einem herrschaftlichen Gut in Kärnten in Österreich, erlebte jedoch als Kind auch den Krieg und die Flucht während des 2. Weltkriegs. Er wusste schon immer, dass er Musik machen möchte und setzte diesen Berufswunsch gegen den Willen seiner Eltern und seiner ganzen Familie durch. Lange musste er auf seinen Durchbruch warten, der ihm erst mit Anfang 30 durch seinen Sieg beim Eurovision Song Contest 1966 gelang.

Wenn man Udos Biografie liest oder auch Interviews mit ihm hört, fallen seine Lebensweisheiten, aber auch seine Fähigkeit zur Selbstreflektion positiv auf. Er ist einer, der es krachen ließ, er hat oft über die Stränge geschlagen, aber er wusste sich immer richtig einzuschätzen. In einem Bericht zu seinem 80. Geburtstag meinte er einmal, dass er irgendwann kapiert habe, dass die Menschen nicht von seiner Person fasziniert sind, sondern von seinen Liedern. Nicht wegen ihm kommen die Leute (immer noch) in seine Konzerte, sondern seiner Lieder wegen. Und so lange er die Leute mit seinen Liedern glücklich machen kann, solange wird er auch spielen. Auch noch mit 80 . Das ist doch mal eine Aussage. Im Herbst geht er übrigens wieder auf Tournee. Ich freu mich schon.

Poem – Leonard Cohen in deutscher Sprache

Der große Leonard Cohen wurde 80 und zu diesem Anlass gibt es, neben seinem eigenen Album Popular Problems, ein Tribute-Album mit den bekanntesten Cohen-Songs von deutschen Künstlern und in deutscher Sprache gesungen. Eigentlich eine gute Idee, hatte ich gedacht, aber beim ersten Reinhören bin ich mir da nicht mehr so sicher. Leonards unnachahmliche Stimme und seine poetischen Texte, deren Sinn sich einem nicht immer sofort erschließt und über die man herrlich meditieren kann, manchmal zweideutig, manchmal schockierend eindeutig, das kann eine deutsche Übersetzung nicht übermitteln. Die Texte sind stellenweise gut getroffen, stellenweise klingen sie grauenhaft, so dass man am liebsten weg hören möchte. Um eine relativ große Bandbreite zu schaffen, singen auf dieser CD so völlig unterschiedliche Künstler, wie Peter Maffay, Tim Bendzko, Nina Hagen, Anna Loos, Reinhard Mey u.a. Ich möchte hier nicht die einzelnen Interpretationen der jeweiligen Künstler beurteilen, denn ich finde, das ist Geschmackssache. Sicherlich hat jeder so seinen eigenen Musikgeschmack und seine Vorlieben. Wirklich grauenhaft finde ich allerdings die Interpretation von „Hallelujah“ von „Beautiful Losers“ (alle Künstler singen zusammen,  im Stil von Band Aid und U.S.A. for Africa mit „We are the world“). Was damals toll funktionierte und man auch heute immer noch hören kann, geht hier überhaupt nicht. Das ist einfach nur schlimm.
Mein Fazit: diese CD muss man nicht unbedingt besitzen!
Wer noch mehr über die Entstehung dieses Albums erfahren möchte, bitte hier entlang.

Von Selbstheilung und Zuversicht

Unterwegs in die nächste Dimension von Clemens Kuby

Die Geschichte von Clemens Kuby hat mich beim Lesen sehr, sehr beeindruckt und ist mir seitdem immer im Gedächtnis geblieben. Es ist eine der erstaunlichsten Geschichten, die ich zum Thema Heilung und Selbstheilung bisher gehört und gelesen habe.

Clemens Kuby ist 33 Jahre alt, als er um 3 Uhr nachts aus dem Fenster seines Dachstudios fällt und aus 15 Metern Höhe auf dem Asphalt aufschlägt. Eine Querschnittslähmung ab dem 2. Lendenwirbel ist die Folge. Die Zukunftsprognose der behandelnden Ärzte: Rollstuhl.
Er liegt viele Wochen in völliger Bewegungslosigkeit und mit starken Schmerzen flach auf dem Rücken. Jede kleinste Bewegung, selbst ein tieferer Atemzug, verursacht ihm unglaubliche Schmerzen. Unter noch größeren Schmerzen wird er mit Hilfe von zwei großen Rahmen, in die er eingespannt wird, mehrmals täglich gewendet, um Druckstellen und daraus folgende Wunden zu vermeiden. So etwas möchte man sich gar nicht vorstellen.

Er sagt, dass er heute, über 30 Jahre später, mit einer solchen Fraktur bereits in der 2. Woche nach dem Unfall operiert worden wäre und sein Schicksal, der Rollstuhl, besiegelt wäre. Damals war eine solche Operation noch nicht möglich. Er empfindet es heute als großes Glück, viele Wochen in diesem Zustand der völligen Immobiliät gewesen zu sein, denn genau hier entdeckt er seine Seele. Mit einem ganz flachen Atem, sodass er gerade noch schmerzfrei ist, kommt er in einen Schwebezustand. Er nennt es eine „seelische Wippe zwischen Wachen und Schlafen“. Dieser neue Bewusstseinszustand, ähnlich einer Meditation, eröffnet ihm eine neue Dimension. Sein Ego jammert, kann nicht mit den Schmerzen umgehen, verzweifelt an seiner ausweglosen Situation. Und seine Seele? Sie ist voll und ganz präsent, sie sieht nicht den Schmerz, sondern das, was der Schmerz zu erzählen hat. Das tiefe, wichtige Anliegen, das der Schmerz vermitteln will. Nach einigen Tagen, die er in diesem neuen Bewusstseinszustand verbringt, denkt er immerzu an einen Ort, der folgende Kriterien erfüllen muss: ohne Straße, ohne Elektrizität, ohne Tourismus, ohne weißes Mehl und ohne Zucker. Völlig verrückt. Er liegt mit einer Querschnittslähmung in einer Klinik und denkt immerzu an diesen einen Ort, zu dem er – das wird immer deutlicher – reisen muss.

Mehr Klarheit bekommt er, als ihn ein guter Freund besucht, dem er von diesem Ort erzählt. „Den kenne ich, das ist Ladakh im Westhimalaya“, sagt der Freund,“da war ich schon dreimal.“ Herrn Kubys Herz fängt zu rasen an, seine Nerven flattern. Seine Seele grinst. In diesem Moment beginnt seine Heilung. Um es kurz zu machen: Nach ein paar Tagen kann er bereits seinen großen Zeh wieder bewegen, danach seine Füße, nach einigen Monaten kann er wieder laufen. Die Ärzte und das gesamte Klinikpersonal stehen vor einem Rätsel und bezeichnen seine Heilung als ein Wunder. Sein Vorhaben, nach Ladakh zu reisen, wird fünf Jahre später Wirklichkeit. Er trifft dort auf eine „unzivilisierte“ Bevölkerung, die tatsächlich völlig abgeschottet, ohne Strom, ohne fließendes Wasser und ohne Straßen lebt. Er verbringt dort zwei Monate und dreht einen Film. Im Buch folgen jetzt noch mehrere Reisen, die er zu Heilern und Schamanen unternimmt, um in andere Bewusstseinswelten einzutauchen.

Am Schluss des Buches erwähnt er eine kleine Geschichte, die mich sehr amüsiert hat. Mehr als zwanzig Jahre nach seinem Unfall sucht Herr Kuby einen Orthopäden in München auf, da er nach langer Zeit wieder einmal Rückenschmerzen verspürt. Herr Kuby sitzt im Behandlungszimmer, nachdem die Sprechstundenhilfe seinen Rücken geröngt hatte und gerade die frischen Aufnahmen seiner Wirbelsäule in den Lichtkasten an der Wand schiebt. Der Arzt betritt den Raum, schaut sich die Aufnahmen sehr genau an und ohne sich zu ihm umzudrehen, fragt er Herrn Kuby: „Wo haben Sie Ihren Rollstuhl?“ Darauf Herr Kuby: „Ich kann laufen“. Arzt: „Wenn das Ihre Bilder sind, dann können Sie nicht laufen“. Herr Kuby:“Das sind meine Bilder und schauen Sie, ich kann aufstehen“. Arzt: „Bleiben Sie sitzen. Sie können nicht laufen. Mit einer solchen Fraktur ist man querschnittsgelähmt, oder das sind nicht Ihre Bilder!“.

Bestellungen beim Universum

Heute möchte ich mich dem allseits bekannten Bestellservice widmen, mit dem die Autorin Bärbel Mohr in den späten 90er Jahren einen Bestseller landete:
Bestellungen beim Universum von Bärbel Mohr.

Dieses Buch und seine zahlreichen Nachfolgebücher kennt wahrscheinlich fast jeder. Und fast jeder hat auch schon den einen oder anderen Wunsch ans Universum geschickt. Die kleinen Dinge, wie freie Parkplätze oder kleine Geldbeträge habe ich ganz gut im Griff. Bei den größeren Wünschen, einen tollen Job z.B., wird es schon schwieriger. Da musste ich leider schon öfters den Reklamationsservice bemühen. Bei der Partner-Wunschbestellung kann ich nicht mitreden, da habe ich keinen Bedarf, denn ich bin seit vielen Jahren (glücklich) verheiratet.

Aber vor einigen Jahren habe ich eine große Bestellung getätigt. Eine sehr große sogar. Ich habe mir nämlich ein Haus bestellt in einer bestimmten Stadt, in der ich wahnsinnig gerne leben wollte. Ich stand auf einer kleinen Anhöhe auf einer Wiese und wünschte mir einfach nichts so sehr, wie dort immer zu leben. Ich habe mir gar nichts Konkretes vorgestellt, wie etwa die Farbe des Hauses oder ob die Terrasse nach Süden geht oder ähnliches. Ich stand nur da mit geschlossenen Augen und war so sehr mit diesem Ort verschmolzen, mit jeder Faser meines Körpers. Dieses Gefühl des Friedens und der Geborgenheit hat mich auch nie mehr verlassen, wenn ich an diesen Ort dachte. Ein paar Jahre später wurde diese Wiese zum Baugebiet und jetzt wohne ich an genau dieser Stelle und fühle mich immer noch sehr wohl.

Dieses Ereignis hat mir gezeigt, dass eigentlich alles möglich ist. Wir können uns alles bestellen, was wir uns nur vorstellen können. Uns liegt die ganze Welt zu Füßen. Was uns leider daran hindert, ist der Zweifel. Unser Zweifel ist meines Erachtens das größte Hindernis in punkto Wunscherfüllung. Da kommen dann so Sätze hoch, wie: „Das hast du doch gar nicht verdient.“ „Das steht dir nicht zu“ oder „das wäre zu einfach, dafür musst du hart arbeiten“ usw. Das kennen wir doch alle. Wenn es uns gelingen würde, diese Sätze aus unserem Gehirn zu streichen und so selbstverständlich und hemmungslos zu wünschen anfangen, wie ein Kind, dann würde das auch alles klappen. Davon bin ich überzeugt.

Allerdings sollten wir uns gut überlegen, was wir uns bestellen, das sagt auch Frau Mohr in ihrem Buch. Wir selbst können ja gar nicht so genau wissen, was denn gut für uns ist. Wir geben Bestellungen auf, bekommen sie geliefert und dann merken wir, dass wir vom Regen in die Traufe gekommen sind. Also, sieh dich vor, was du dir wünschst, denn es könnte in Erfüllung gehen.

Ärger mit der Verdauung

Heute möchte ich wieder ein Buch von Rüdiger Dahlke vorstellen, nämlich „Verdauungsprobleme, Be-Deutung und Chance von Magen-Darm-Symptomen“.

Das klingt erst einmal ziemlich medizinisch, und ziemlich langweilig. Das Buch steht bei mir schon viele Jahre im Regal und neulich habe ich es wieder hervorgekramt, denn ich habe heftige Verdauungs-probleme. Keine Angst, ich werde nicht ins Detail gehen.

Herr Dahlke ist ja nicht nur Arzt, sondern auch Psychotherapeut, und deshalb sieht er ein Krankheitssymptom nie rein medizinisch, sondern er betrachtet ebenso die geistig-seelische Ebene und das ist ziemlich faszinierend. Der Magen z.B. ist für die Durchmischung der Speisen, die wir den ganzen Tag, und manchmal auch noch nachts, zu uns nehmen, verantwortlich. Mit Hilfe des Magensafts, der Salzsäure, beginnt er, die Nahrung zu zersetzen und bereitet so die für uns wichtige Aufspaltung in einzelne Bestandteile vor, die dann der Zwölffingerdarm, bzw. der Dünndarm fortführt. Dies ist eine sehr aggressive Angelegenheit. Nur mit Hilfe einer intakten Magenschleimhaut kann der Magen dieser Aufgabe nachkommen, sonst würde er sich selbst verdauen. Das Gleichgewicht zwischen schützendem Schleim und aggressiven Säften ist also enorm wichtig. Der Magenkranke hat mit diesem Gleichgewicht so seine Schwierigkeiten.

Das deutsche Wort „Magen“ gibt für die dahinterstehende Bedeutung nicht viel her. Lediglich das Wort „ich mag“ von „mögen“ hat hier eine Entsprechenung. Anders die lateinische Bezeichnung „ventriculus“, die von „venter“ kommt und soviel wie Mutterleib, Leibesfrucht, Bauch, Magen und Gefräßigkeit bedeutet. Der Magen ist ein Ort der Geborgenheit mit einer weichen, schleimigen Höhlenatmosphäre. Die scharfe, zersetzende Energie der Salzsäure, die ja nötig für die Zerkleinerung und die Zersetzung von Bakterien ist, kann diesem Ort aber nichts anhaben, sofern alles im Gleichgewicht ist. Der Magenkranke aber hat nun erhebliche Geborgenheitsprobleme. Er sehnt sich zurück in die heile Welt seiner Kindheit. Da war noch alles gut. Heute leidet er an einem Defizit an Geborgenheit. Dies macht ihn verständlicherweise aggressiv. Diese Aggression richtet er aber nicht nach draußen, was für ihn gesünder wäre. Er frisst seinen Frust und seine Gereiztheit in sich hinein (Magengeschwür oder Ulcus ventriculi). Er wirkt oft griesgrämig und missmutig, was man oft an den typisch hängenden Mundwinkeln und einer stark betonten Falte zwischen Nase und Mundwinkel (Nasolabialfalte) ablesen kann. Bei all dem Leid, das der Magentyp so in sich hineinfrisst, ist er natürlich oft beleidigt. Die anderen sollen sich nun gefälligst um ihn kümmern und ihm die vorenthaltene Zuwendung schenken. Oft wirkt er wie ein trotziges, beleidigtes Kind. Seine Aufgabe wäre es, endlich die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und seine Wünsche und Gefühle in einer reifen Form zum Ausdruck zu bringen. Also, alle Magentypen, auf geht’s!

Der Zwölffingerdarm-Typ oder Duodenal-Typ hat ebenfalls Geborgenheitsprobleme, aber anderer Art. Er hat tatsächlich wenig Geborgenheit und Zuwendung erlebt und leidet daher an einem „echten“ Defizit. Der Zwölffingerdarm schließt sich direkt an den Magen an und ist von ihm nur durch den Pförtnermuskel getrennt. In den Zwölffingerdarm münden die Ausführungsgänge der Leber und der Bauchspeicheldrüse, zwei unserer größten Verdauungsdrüsen. Diese Sekrete spalten unsere Nahrung in ihre Bestandteile auf. Der gesamte Dünndarm hat eine Länge von fünf Metern und weist viele Windungen auf. Es fällt die große Ähnlichkeit zum Gehirn mit seinen ebensolchen Windungen auf. Beide gleichen einer Walnuss. Das Gehirn ist für die Analyse, die Auswahl der Eindrücke, d.h. für die geistige Nahrung zuständig. Das Prinzip, dem beide unterstehen, ist das Prinzip der Zerlegung, der Aufspaltung, der Analyse. Der Zwölffingerdarm-Typ zerpflückt seine Gedanken bis ins letzte Detail. Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen andere, sondern auch gegen sich selbst (Zwölffingerdarm-Geschwür oder Ulcus duodeni). Er hat an allem etwas auszusetzen, ist mit nichts zufrieden und verbreitetet eine „zersetzende“ Atmosphäre um sich. Beim Duodenal-Typ bessert Essen seine Symptome. Isst er längere Zeit nichts, leidet er am sogenannten Nüchtern- oder Hungerschmerz. Im übertragenen Sinne heißt das, seinen Hunger nach Bedürftigkeit und Geborgenheit zu stillen, also sich verwöhnen, es sich gut gehen lassen, sich bewusst in eine kindliche Situation zu begeben, wo man versorgt wird und wo alle Sehnsüchte gestillt werden.

Ich für meinen Teil habe mich in Herrn Dahlkes Ausführungen erstaunlich oft wiedererkannt und werde versuchen, seine Empfehlungen in die Tat umzusetzen. Hoffentlich kann ich dann meinen Cappuccino  und meine Buttercremetorte wieder genießen.

Leben im Hier und Jetzt

…nichts einfacher als das, oder?
Heute habe ich mir den Klassiker schlechthin vorgenommen, nämlich das Buch der Bücher der spirituellen Literatur:

Jetzt, die Kraft der Gegenwart von Eckhart Tolle

Herr Tolle hatte vor vielen Jahren ein einschneidendes Erlebnis, das sein ganzes Leben veränderte. Zur damaligen Zeit war er von Ängsten geprägt, war zeitweilig depressiv und seines Lebens müde. Eines Nachts wachte er auf, fand sein Leben grauenhaft und absolut bedeutungslos. Er wusste, dass er mit sich selbst nicht mehr weiterleben wollte. Dann fragte er sich, wer denn eigentlich mit sich nicht weiterleben wollte. War das sein Ich? Aber wer war dann das Selbst? War er zwei? War nur einer von beiden wirklich? Danach wurde er in einen Energiewirbel hineingezogen und hat keine Erinnerung mehr daran, was dann geschah. Als er am nächsten Morgen aufwachte, war alles verändert – er war erleuchtet. Wenn man das so nennen will. Er lebte fortan in einem Zustand tiefen Friedens und Glückseligkeit.

Klingt das fast wie ein Märchen. Und wenn er nicht gestorben ist…usw.
Das sympathische an Herrn Tolle ist für mich die Tatsache, dass er kein Meister oder Guru sein möchte. Er bezeichnet sich auch nicht als erleuchtet. Das tun nur die anderen, die zu ihm aufschauen und ihn auf ein Podest stellen wollen . Er selbst erzählt den Menschen nur, wie sie zu diesem Zustand tiefen Friedens kommen können. Und zwar jeder. Da braucht man kein Heiliger zu sein.

Die für mich erstaunlichste Aussage (und da gibt es einige davon) dieses Buches ist, dass unsere Gedanken, also unser Verstand, uns daran hindern, in diesen Zustand des Friedens zu gelangen. Wir benutzen nicht unseren Verstand, wie wir immer glauben möchten, sondern der Verstand benutzt uns. Wir sind unbewusst mit unserem Verstand identifiziert und glauben, dass alles wahr ist, was wir denken. Fehlanzeige!

Wir sind ein Wesen jenseits unseres Verstands und sobald wir das erkannt haben, öffnen wir eine höhere Bewusstseinsebene und wir erkennen das wahre Leben, nämlich Schönheit, Liebe, Freude, innerer Friede etc.

Das klingt toll, aber auch irgendwie abgehoben, irreal. Wir müssen doch denken, damit wir in unserem Leben zurecht kommen. Aber Herr Tolle meint, wir benutzen unseren Verstand falsch. Wir denken tausend Gedanken am Tag, die sich meistens mit der Vergangenheit beschäftigen. Das stimmt. Ich mache mir (sinnlose) Gedanken darüber, ob ich meiner Freundin gestern nicht so über den Mund hätte fahren sollen, oder ob ich anders hätte reagieren sollen, als mich dieser Verkäufer letzte Woche grundlos beleidigt hat. Man kennt das ja alles. Viele Menschen ärgern sich über verpasste Chancen, über böse Menschen in ihrer Nähe oder noch schlimmer, über das Schicksal, das sooo ungerecht ist und sie ständig benachteiligt.

Alles umsonst! Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern. Es ist so wie es ist. Des weiteren befassen wir uns liebend gern mit der Zukunft. Das heißt, wir malen uns die heftigsten Szenarien aus, was wohl passieren könnte, wenn…..Als Folge davon bekommen wir Panik, weil wir die Situation nicht mehr unter Kontrolle haben.

Wieder alles umsonst. Die Zukunft kann keiner kennen. Alle unsere Gedanken, die wir uns um die Zukunft machen, sind reine Spekulation. Und hier kommen wir zu der Kernaussage und dem Titel des Buchs. Das Leben findet nur im Jetzt statt! Nur in diesem Augenblick geschieht das, was real ist. Wenn wir es schaffen, den Moment wahr zu nehmen, also das Essen, das wir zu uns nehmen, zu genießen, die Treppenstufen, die wir gerade hinaufsteigen, in unserem ganzen Körper zu spüren oder einfach dazusitzen und dem Baum zuzusehen, wie er sich im Wind schaukelt, dann leben wir im Jetzt, dann erfassen wir einen kleinen Zipfel des unendlichen Bewusstseins, dann werden wir ganz klar und sind wir selbst.

Ganz einfach, oder doch nicht?