Was wirklich wichtig ist

Stellen Sie sich vor, es ist Samstag, endlich Wochenende! An diesem freien Tag haben Sie sich vorgenommen, ihren Geräteschuppen aufzuräumen, da sie in diesem Durcheinander wirklich nichts mehr finden und die Fahrräder schon seit langem draußen stehen müssen, weil drin kein Platz mehr ist. Sie sind fest entschlossen, nach dem Frühstück anzufangen, da klingelt das Telefon und eine alte Freundin ist dran, die sich schon seit Jahren nicht mehr gemeldet hat. Sie sind erfreut und bis alle Neuigkeiten ausgetauscht sind, ist eine Stunde vergangen. Dann ruft ihr Sohn an, der mit einem platten Reifen irgendwo in der Stadt steht und abgeholt werden möchte. Danach ist Zeit, das Mittagessen zu kochen, nachmittags benötigt die Tochter Hilfe bei einer Präsentation für die Schule und so geht es den ganzen Tag weiter, bis es zu spät ist, um mit dem Aufräumen des Schuppens zu beginnen. Abends ist man müde und kaputt, hat viel geschafft, aber nicht das erledigt, was man sich eigentlich vorgenommen hatte. Dies hinterlässt ein unbefriedigendes Gefühl in uns.

Solche Situationen passieren tagtäglich, nicht nur am Wochenende, sondern auch am Arbeitsplatz im Büro. Unser Vorgesetzter sagt uns: “Bitte erledigen Sie das, wenn möglich sofort, es ist wichtig”. Er sagt es, aber eigentlich meint er: “es ist dringend”. Wie kommt es, dass wir diese beiden Begriffe so oft durcheinander bringen?

Das Wort “dringend” kommt von “drängen” und hat mit Druck, Stress und Hektik zu tun. Das Wort “wichtig” dagegen hat den gleichen Wortstamm wie “Gewicht”. Einer Sache Gewicht oder Bedeutung verleihen wird assoziiert mit Zufriedenheit,  Genugtuung und Langfristigkeit. Wichtige Themen sind also meist immer langfristig von Bedeutung. Dem einen ist es wichtig, gesund zu werden oder zu bleiben, dem anderen einen sportlichen Erfolg zu erreichen. Wieder anderen ist es wichtig, sich ein finanzielles Polster zu schaffen, um keine Geldsorgen zu haben. Für andere ist vielleicht die Selbstständigkeit im Beruf von Bedeutung. Wieder andere träumen davon, einmal im Leben einen Porsche zu besitzen. Auf jeden Fall gilt, alles was dem einen oder anderen wichtig ist, kann dringend oder eben weniger dringend sein. Entscheidend ist, dass wir den Unterschied kennen und die beiden Begriffe nicht in einen Topf werfen. Denn wirklich zufrieden, erfüllt und sogar glücklich fühlen wir uns nur, wenn wir die für uns wichtigen Themen anpacken.

Generell kann man sagen, dass eine Sache dringender wird, je länger man sie aufschiebt. Also empfiehlt es sich, möglichst viele Dinge frühzeitig zu tun, damit sich kein Druck aufbaut. Dann ist man auch frei, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die einem wirklich wichtig sind.

Zufall oder Schicksal

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Letztes Jahr fuhr ich zu einer Fortbildung nach Berlin und traf dort eine Freundin wieder, die ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gesehen hatte. Wir verbrachten zwei wundervolle Tage und durch dieses Treffen wurde unsere Freundschaft neu belebt. Zufall?
Ein Schweizer Bürger infizierte sich durch eine afrikanische Mücke mit Malaria, obwohl er überhaupt noch nie afrikanischen Boden betreten hatte. Die Mücke war im Flugzeug in die Schweiz “gereist”. Zufall oder Schicksal?
Ein Mann und eine Frau überlebten die Tsunami-Katastrophe vor der Küste Malaysias, verloren dort aber ihre gesamten Familien. Ein Jahr später begegneten sie sich zum ersten Mal am Unglücksort, verliebten sich ineinander und heirateten. Zufall oder Schicksal?

Vor einigen hundert Jahren glaubten die Menschen noch fest an schicksalhafte Begebenheiten. Sie sahen einen Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und Ereignissen in ihrem Leben. Naturkatastrophen, wie eine Überschwemmung oder ein Blitzschlag wurden als Strafe Gottes gesehen, als das Mittel einer höheren Macht, sie auf ihre Fehler aufmerksam zu machen und sie wieder auf den rechten Weg zu bringen.

Uns modernen Menschen, die für alles eine wissenschaftliche Erklärung brauchen, fällt dieser Glaube an Schicksal schon erheblich schwerer. Tritt etwas Unvorhergesehenes in unser Leben, das wir nicht deuten und in keinen Zusammenhang bringen können, bezeichnen wir es als Zufall. Wikipedia definiert den Zufall als einzelnes Ereignis oder das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse, für die keine kausale Erklärung gegeben werden kann. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Wort “Zufall” erst im 17. Jahrhundert in unserem Sprachgebrauch auftaucht.

Keine kausale Erklärung heißt also, man kann keine Ursache für ein bestimmtes Ereignis erkennen. Die Tatsache, dass man keine Ursache erkennen kann, bedeutet aber noch lange nicht, dass es keine Ursache gibt. Also entsteht Zufall nur durch unsere Unwissenheit. Dass wir uns aber so oft als unwissend empfinden und die Zusammenhänge nicht sehen können, liegt in unserem kausalen Denksystem begründet. Eine andere Möglichkeit, Ereignisse zu deuten, ist das analoge Denken, das auf den Psychologen und Arzt C.G.Jung zurückgeht. Er schuf den Begriff Synchronizität. Damit bezeichnete er alle Ereignisse, die nicht in einen kausalen Zusammenhang gebracht werden können, aber dennoch miteinander verbunden sind. Als Erklärung soll hier folgendes Beispiel aus seiner Praxis dienen:
Eine junge Patientin hatte während ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus (eine Käferart) zum Geschenk erhielt. Während sie in einer Therapiesitzung von dem Traum erzählte, stieß ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster. Es war ein Blatthornkäfer, eine dem Skarabäus verwandte Art, die in unseren Breiten heimisch ist. Gerade in diesem Moment fühlte er sich, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten veranlasst, in dieses Behandlungszimmer einzudringen.

Solche Analogien finden wir überall in unserem Umfeld, wir sollten nur lernen, sie auch wahrzunehmen. Hierzu ein Buchtipp: “Der Zufall als Coach” von Thomas Eckerle. Dann werden wir auch erkennen, dass es gar keine Zufälle gibt.

Alles fängt bei mir an

Ich habe eine Nachbarin, die mich unglaublich aufregt. Wenn ich sie schon von weitem sehe, krampft sich alles in mir zusammen und ich möchte am liebsten weglaufen. Eigentlich hat sie mir überhaupt nichts getan. Gut, sie war immer etwas abweisend mir gegenüber, wir haben in den letzten sieben Jahren vielleicht grade mal zwei Sätze gewechselt. Aber irgendwie mag ich sie nicht. Es ist ihre Stimme, ihr Gesichtsausdruck, ihr Gang. Alles an ihr regt mich auf. Sie mag mich übrigens auch nicht, da schenken wir uns nichts. Wahrscheinlich wecke ich in ihr ebenfalls Gefühle, die nicht gerade von Sympathie geprägt sind.

Dann gibt es aber auch Menschen, die kennt man gut, man ist mit ihnen befreundet oder sogar verwandt, man mag sie. Aber jedes Mal, wenn sie etwas bestimmtes tun oder sagen, geht man an die Decke. Man ist genervt, verletzt, gekränkt oder rastet völlig aus.

Das ist unser Schatten. Jeder Mensch spiegelt uns. Immer, wenn mich irgendetwas am anderen aufregt, hat es mit mir selbst zu tun. Jede Eigenschaft, die mir an meinem Gegenüber missfällt, lebt in meinem eigenen Schattenbereich, denn sie wird verdrängt. Für viele ist diese Erkenntnis ziemlich schockierend. Der Onkel, der alte Geizkragen, der niemandem etwas gönnt, oder die geschwätzige Nachbarin, die krankhaft neugierig ist und über jeden lästert, sollen etwas mit mir zu tun haben? Genau, denn vielleicht mag man auf der einen Seite großzügig sein, auf der anderen Seite hat man aber nie Zeit für andere, was auch eine Form von Geiz darstellt. Die neugierige Nachbarin repräsentiert vielleicht den Voyeur in uns, der sich für Dinge interessiert, die ihn eigentlich nichts angehen. Wer sich allzu sehr über Penner und Langzeitarbeitslose aufregt, hat sicherlich hier ein Schattenthema. Wenn ich mich jedes Mal wieder über das Chaos aufrege, das meine Tochter in ihrem Zimmer veranstaltet, sollte ich vielleicht mal drüber nachdenken, dass ich schon lange den Keller nicht mehr aufgeräumt habe und meinen Schlüssel oft minutenlang in meiner voll bepackten Handtasche nicht finde.

Die Erkenntnis, dass ich alle Eigenschaften in mir habe, die mich an meinem Gegenüber stören, mag zwar im ersten Moment befremdend sein. Will man den anderen ändern, muss man bei sich selbst anfangen. Macht man sich  diese Vorgehensweise zur Gewohnheit, kommt man zu neuen  Einsichten und zu einem viel entspannteren Blick auf unsere Mitmenschen.

Morphogenetische Felder

Warum fingen Marder auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit an, Autokabel anzuknabbern? Warum vergriffen sich Vögel in Großbritannien alle zur gleichen Zeit an morgendlich ausgelieferten Milchflaschen und versuchten sie mit ihren Schnäbeln zu öffnen, obwohl diese Milchflaschen schon seit Jahrzehnten ausgeliefert werden und dies niemals vorher passiert war? Warum funktioniert eine Impfung? Obwohl der Körper in den meisten Fällen lediglich abgetötete Bakterien gespritzt bekommt und nicht mit den “echten” Bakterien in Berührung kommt, bildet er Antikörper, die ihn dann im Falle einer Ansteckung schützen.

Diese für uns erst einmal unerklärlichen Vorgänge kann man mit der Existenz von morphogenetischen Feldern erklären. Diese Felder kann man nicht messen, sie sind weder elektromagnetisch noch energetisch erkennbar, aber es gibt sie dennoch. Der englische Biologe Rupert Sheldrake hat sie entdeckt. Er gründete seine Entdeckung auf Versuche des Harvard-Forschers William McDougall, der in den zwanziger Jahren Versuche mit Ratten unternahm. Er ließ Ratten durch ein Labyrinth laufen bis sie den Weg kannten und stellte dann fest, dass ihre Nachkommen den Weg auf Anhieb wussten und nicht erst üben mussten. Sie hatten dieses Muster irgendwie übernommen, es sozusagen gespeichert, aber wie ist das möglich? Sheldrake vermutete, dass sie an ein “Feld” andockten, das ihre Vorgänger aussandten.

Von allem, was in unserer Welt existiert, gibt es am Anfang ein Bild oder ein Muster. In diesem Muster ist die fertige Form schon enthalten und entwickelt sich dann durch Verfestigung von Energie zu Materie. Am Beispiel eines Hauses kann man dies gut veranschaulichen. Zuerst ist die Idee da, ein Haus zu bauen. Man hat eine gewisse Vorstellung davon, wie es aussehen sollte. Der Architekt entwirft nach diesen Vorstellungen einen Plan auf Papier, an dem die Handwerker sich orientieren. Allein die Materie, also ein Haufen Steine, Zement und Wasser würden ohne Bauplan kein Haus ergeben.

Sheldrake geht davon aus, dass es keine Form ohne dazugehöriges morphogenetisches Feld gibt. Der russische Forscher Vlail Kznachjev führte hierzu ein eindruckvolles Experiment durch. Er legte zwei Bakterienkulturen an, die durch eine Glasscheibe getrennt voneinander waren. Einer Bakterienkultur verpasste er einen tödlichen Virus. Daraufhin gingen beide Kulturen ein, auch diejenige hinter der Glasscheibe. Ersetzte er die Scheibe durch ein lichtundurchlässiges Glas, konnte der Virus nicht übergreifen. Die zweite Bakterienkultur brauchte sozusagen ein Bild, um reagieren zu können.

Es gibt hierzu noch zahlreiche weitere Versuche, die belegen, dass bestimmte Felder zwischen Materie aller Art, z.B. Pflanzen, Tieren und Menschen bestehen, auch wenn sie nicht messbar und schon gar nicht sichtbar sind. So ist auch die Wirkung von Placebos in der Medizin zu erklären. Gibt man einer Gruppen mit Kranken ein Medikament und der anderen Gruppe ohne ihr Wissen ein Placebo, ein sogenanntes Scheinmedikament, ohne jegliche Wirkung, so hat das Placebo die gleiche Wirkung wie das “richtige” Medikament. Dies wurde in zahlreichen Fällen nachgewiesen und ist heute medizinisches Allgemeinwissen. Genauso verhält es sich mit dem gegenteiligen Effekt. Sagt ein Arzt einem schwerkranken Patienten, dass er nur noch wenige Monate zu leben hätte, wird sich diese Prophezeiung in den meisten Fällen prompt erfüllen, da der Patient sich diese Vorstellung zu eigen macht. Dies zeigt, wie wichtig Bilder, Ideen und Vorstellungen sind und dass sie die Voraussetzung dafür sind, dass sich etwas manifestieren und entwickeln kann, oder auch nicht.

Isabel Allende. Amandas Suche

Isabel Allende hat einen Krimi geschrieben. Ihren ersten. Als großer Allende-Fan, der alles von Frau Allende bisher zu Papier gebrachte verschlungen hat, musste ich dieses neue Werk natürlich lesen. Angefangen bei ihrem großen Erfolg “Das Geisterhaus” über “Von Liebe und Schatten”, “Eva Luna”, “Der unendliche Plan” bis hin zu “Paula”, einem  sehr persönlichen und ergreifenden Buch über die Krankheit und den Verlust ihrer Tochter, habe ich alles von Frau Allende im Bücherregal stehen. Mich faszinieren diese Geschichten über gesellschaftliche Themen, die sie in einen politischen Kontext verpackt und anhand von historischen Familienschicksalen in einem wunderbar leichten und doch detaillierten Schreibstil erzählt.

Zugegeben, meine Erwartungen waren groß und sie wurden leider nicht  erfüllt. Was Frau Allende in ihren früheren Werken meisterhaft beherrschte, nämlich die Erzählkunst, taugt für einen Krimi nicht unbedingt. Für meinen Geschmack sind viel zu viele Protagonisten am Werk, die Hauptperson Amanda, deren Ripper-Bande, die hobbymäßig Morde aufklärt, ihre Mutter Indiana, ein Spät-Hippie in den Dreißigern, deren zahlreiche Freunde und Patienten, zuletzt noch Amandas Vater, ein Kriminalbeamter. Mit Hilfe seiner Tochter Amanda klärt er am Ende die grausamen Morde eines Serienkillers auf. Das Buch bedient alle Klischees, von der Esoterik bis zur Heiler-Szene.

Da Frau Allende wunderbare Beschreibungen liefern kann, tut sie das auch ausführlich, besonders was die unappetitlichen Details der Mordserie betrifft. Das muss nicht unbedingt sein. Leider bewirkt dieser ausladende Schreibstil, dass die Spannung auf der Strecke bleibt, besser gesagt, gar nicht erst aufkommt. Die Handlung plätschert so vor sich hin und man fragt sich, warum man eigentlich weiterlesen soll. Erst als Indianas Mutter spurlos verschwindet, und das ist erst nach gut 300 Seiten von insgesamt 470 Seiten der Fall, nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Die letzten Seiten sind richtig spannend erzählt und man hätte sich mehr davon im ersten Teil gewünscht.

Mit diesem Buch dürfte wohl keiner so recht glücklich sein. Die Krimileser nicht, weil die Spannung fehlt und die Allende-Fans auch nicht, weil es mit den typischen Allende-Büchern nicht mithalten kann.

Wer sich eine zweite und etwas positivere Beurteilung dieses Buchs anschauen möchte, folge mir bitte hier entlang.

Allerheiligen, ein fröhliches Fest ?

Vorgestern war Allerheiligen. Ein Feiertag, zumindest in vorwiegend katholischen Gegenden. Abgesehen von der Tatsache, dass man als Arbeitgeber einen freien Tag immer gerne mitnimmt, ist dieser Feiertag für die meisten von uns etwas befremdlich. In meiner Kindheit war an diesem Tag der Friedhofsbesuch ein absoluter Pflichttermin. Meine Eltern und ich pilgerten von Grab zu Grab – wir hatten einige Verwandte zu besuchen – meist im Nieselregen, manchmal im Nebel und einige Male auch im Schnee. Die Erwachsenen standen an den Gräbern, mit ernster Miene, und bei manchem Grab bekam mein Vater sogar feuchte Augen. Ich fühlte mich dann immer unbehaglich und war froh, wenn ich den Friedhof wieder verlassen konnte.

Viele meinen ja, man brauche so einen Tag gar nicht, an dem man sozusagen diktiert bekommt, sich an Verstorbene zu erinnern. Menschen, die einem wichtig waren, werden immer in Erinnerung bleiben. Da braucht man nicht auf den Friedhof, da reicht auch manchmal nur ein Musikstück oder ein Geruch, und schon ist die Erinnerung wieder da. Bei meiner Oma gab’s an Fasnacht immer Fasnachtsküchle, in Fett gebacken. Wenn ich die sehe oder rieche, muss ich sofort an meine Oma denken. Oder ein leckerer Apfelkuchen, den eine Tante von mir immer gebacken hat…

Ich glaube aber trotzdem, dass so ein Tag wie Allerheiligen wichtig ist, denn es gibt viele Menschen, die einem vielleicht nicht so nahe standen, dass man im alltäglichen Leben etwas mit ihnen verbindet, aber an die man sich an so einem Tag trotzdem gerne erinnert. Auch wenn es nur einmal im Jahr ist. Ich persönlich gehe nicht gern auf Friedhöfe, das hat sich auch inzwischen nicht geändert. Aber am Tag vor Allerheiligen habe ich ein Ritual. Ich kaufe Blumen und lege sie auf das Grab meiner Tante und meines Onkels. Beide mochte ich sehr gerne und irgendwie möchte ich durch diesen Besuch auch ein wenig Dankbarkeit ausdrücken.

Ich glaube auch, dass es für unsere Gesellschaft nicht gut ist, den Tod weiterhin so zu tabuisieren. Wir möchten mit Sterbenden nichts zu tun haben, obwohl der Tod uns alle früher oder später betrifft. Der Tod ist der große schwarze Schatten, der über uns hängt, und den man am liebsten verleugnen würde. Mir geht es da genauso. Aber da Leben und Tod Gegenpole sind, gehören sie unweigerlich zusammen. Jeder spirituelle Meister wird bestätigen, dass man nur richtig leben kann, wenn man auch jeden Tag ein wenig sterben kann. Und mit Sterben ist nicht nur das körperliche Sterben am Ende des Lebens gemeint, sondern auch das tagtägliche, nämlich das Loslassen von überholten Vorstellungen, das Kündigen eines Jobs, der einen kaputt macht oder das Verlassen eines Menschen, der einem nicht gut tut.

In dieser Hinsicht können wir vielleicht etwas von den Menschen in Mexiko lernen. Dort ist Allerheiligen nämlich ein fröhliches Fest. Drei Tage lang wird gefeiert, dass sich die Balken biegen. Es wird geschlemmt und auf die Toten angestoßen. Alle feiern, sind gut gelaunt und dankbar dafür, dass sie ein Stück ihres Wegs mit den Verstorbenen gemeinsam gehen durften. So entspannt kann man das nämlich auch sehen.