Limbi von Werner Tiki Küstenmacher

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Und wieder ein Buchvorschlag für alle Spätentschlossenen, die noch ein Weihnachtsgeschenk suchen: Limbi von Werner Tiki Küstenmacher. Herr Küstenmacher ist der Autor des Bestsellers: Simplify your life. Vielleicht hat das der eine oder andere von Ihnen gelesen. Limbi ist sein neuestes Werk und es ist nicht nur unterhaltsam und lustig, es gibt auch – wie bereits in seinem Vorgängerbuch – jede Menge Anregungen und Tipps  sich, und damit seine Umwelt, besser zu verstehen.

Limbi ist die Abkürzung für Limbisches System, das ein Areal in unserem Gehirn bezeichnet, das für unsere Emotionen und Entscheidungen zuständig ist. Dann gibt es noch den Neokortex, die Großhirnrinde, der Gegenspieler von Limbi, wo unser rationales Denken und unsere Urteilsfähigkeit stattfindet. Unsere Großhirnrinde ist hochentwickelt und hat enorme analytische Fähigkeiten, kann Fakten gegenüberstellen und Entscheidungen vorbereiten. Leider funkt da immer wieder Limbi dazwischen, der blitzschnell agiert und eng mit unserem Körper zusammenarbeitet. Er ist verantwortlich für unser sogenanntes “Bauchgefühl” und obwohl wir vieles rational beurteilen und erklären können, sagt uns unser Bauchgefühl, unser Limbi also, meist viel besser, was für uns richtig oder falsch ist.

Herr Küstenmacher plädiert nun dafür, unseren Limbi ernst zu nehmen, d.h. mit ihm zu kommunizieren, ihm zuzuhören und auf ihn zu hören, um damit glücklicher durchs Leben zu gehen. Da Herr Küstenmacher auch noch ein begnadeter Cartoonist ist, hat er Limbi als Figur erschaffen, ein Wesen weder Mensch noch Tier. Dieser Limbi hüpft nun munter durch das ganze Buch, und unterstreicht so mit zahlreichen Cartoons, was der Autor uns sagen möchte.

Das Buch ist klar strukturiert, es gibt zahlreiche Themenbereiche, in denen Limbi sich austobt, z.B. Limbi und die Zeit, Limbi und das Geld, Limbi und der Körper, Limbi und die Liebe etc. Und immer regt Herr Küstenmacher den Leser an, mit seinem Limbi in Kontakt zu kommen und sich so ein bisschen besser kennen und verstehen zu lernen. Limbi ist ein liebevoll gemachtes Buch, das man gerne liest und wenn man will, kann man den einen oder anderen Tipp in die Tat umsetzen und sehen was passiert.

Winter Wonderland mit Paul Carrack

Hier noch ein Geschenk-Tipp im Bereich Musik. Vielleicht hat der eine oder andere Spätentschlossene seine Weihnachtsliste noch nicht vollständig abgehakt und sucht noch ein passendes Geschenk. Hier ist es: Winter Wonderland mit Paul Carrack und der SWR Big Band. Meine absolute Lieblings-CD in der Weihnachtszeit. Zugegeben, die CD ist nicht mehr ganz neu, aber die Songs sind echte Weihnachtsklassiker und die kann man bekanntlich immer hören. Wunderschön arrangierte Songs, wie White Christmas, Have Yourself a Merry Little Christmas, Let it Snow oder Rocking Around the Christmas Tree sind darauf zu hören. Paul Carrack macht dieses Album mit seiner gefühlvollen, souligen Stimme zusammen mit dem swingenden Big Band Sound des SWR-Orchesters für mich zu einem unverzichtbaren Hörgenuss in der Weihnachtszeit. Unbedingte Kaufempfehlung!

Ein Weihnachtssong der ganz anderen Art gibt es von der Kölner Band Erdmöbel, hier im Duett mit der Schauspielerin Maren Eggert.

 

 

Sachen machen von Isabel Bogdan

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Kennen Sie das auch, dass Sie tausend Dinge tun wollen, aber keine Zeit dazu haben oder aus irgendeinem anderen Grund nicht dazukommen? Ich zum Beispiel hatte mir diesen Sommer ganz fest vorgenommen einmal Stand-up Paddling auszuprobieren. Man steht auf einer Art Surfbrett, hat ein Paddel in der Hand und versucht so, sich auf einem See oder sonstigem Gewässer vorwärts zu bewegen. Soll total viel Spaß machen. Habe ich aber diesen Sommer leider verpasst. Keine Zeit oder schlechtes Wetter oder was weiß ich.

Isabel Bogdan hat all diese Dinge, die sie immer schon tun wollte, wirklich gemacht und ein Buch darüber geschrieben. “Sachen machen” ist amüsant und locker geschrieben und man staunt mit jeder Seite, was man denn so alles ausprobieren kann. Frau Bogdan ist in Siebenmeilenstiefeln durch Hamburg gehüpft, war in einer Salzgrotte, zu Gast bei Punks, in einem Schlachthof, hat Aqua Bouncing und Floating ausprobiert und war beim Heavy Metal-Festival in Wacken (meine persönliche Lieblingsgeschichte). 43 Sachen hat Frau Bogdan unternommen und man möchte sich am liebsten gleich aufmachen und einige dieser Dinge am eigenen Leib erleben. Eine tolle Idee, ein schönes Buch und auch ein prima Weihnachtsgeschenk.

Und nächsten Sommer werde ich ganz sicher Stand-up-Paddeln. Versprochen.

Polarität und Fixierung

Jeder von uns hat Ansichten, Meinungen, Standpunkte. Wenn ich für etwas bin, heißt das im Gegenzug, dass ich das Gegenteil ablehne. Ich bin für den Frieden, also gegen den Krieg, für Gesundheit, also gegen Krankheit, für das Gute, also gegen das Schlechte. Fakt ist aber, dass jedes Ding einen Gegenpol hat und nicht alleine existieren kann. Wir können uns nicht gesund fühlen, wenn wir nicht wüssten, was Krankheit bedeutet.

Sobald wir nur einem Pol Beachtung schenken, sind wir fixiert. Wenn wir ein Problem haben und uns keine Lösung einfällt, können wir über den Gegenpol meist leichter zum gewünschten Ergebnis kommen. Wenn ich beide Seiten einer Sache betrachte, dann löse ich die Fixierung, ich schwebe sozusagen über den Dingen und kann sie aus einer anderen Perspektive heraus betrachten. Wir glauben nämlich immer, durch unsere Aktivität die Dinge verändern zu können. Aber wahre Aktivität entsteht immer aus der Ruhe. Bin ich ständig unter Strom, hetze von einem Termin zum anderen, mag ich mich zwar gut und wichtig fühlen, denn ich tue ja so unglaublich viel, aber ich merke dabei gar nicht, dass mich die Dinge im Griff haben und nicht umgekehrt.

Eine gute Übung könnte z.B. darin bestehen, sich dem Gegenpol einer Sache ganz bewusst zu nähern. Wenn ich z.B. der Überzeugung bin, ich muss immer alles richtig machen, um erfolgreich zu sein und anerkannt zu werden, wäre die Lösung, an einem einzigen Tag einmal bewusst alles falsch zu machen. Das könnte schon nach dem Aufstehen anfangen, dass man sich die Unterhose falsch herum anzieht, ebenso die Socken, nämlich mit der Innenseite nach außen. Bis jetzt würde das noch keinem auffallen. Zieht man allerdings zweierlei Schuhe an, wäre es schon offensichtlicher. Dann könnte man in den falschen Bus einsteigen und schauen, wo man landet. Da gibt es noch tausend Möglichkeiten. Zugegeben, das ist eine recht heftige Übung und schon eher etwas für Fortgeschrittene. Der Tag würde sicherlich unerwartete Wendungen nehmen, die man vielleicht sogar recht angenehm findet. Sicherlich entdeckt man viel Neues und merkt, dass es kein Weltuntergang ist, wenn die Dinge mal nicht so laufen, wie man es gewohnt ist. Dies ist schon der erste Schritt, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind.

Rituale

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Es ist wieder Weihnachtszeit. Gerade diese Zeit ist voll gespickt mit Ritualen. Angefangen vom Adventskalender, über das Anzünden der Kerzen im Advent, dem Backen von Plätzchen, dem Aufstellen und Schmücken des Christbaums, dem Besuch der Christmette, dem Weihnachtsmenü und den Besuchen bei der Verwandtschaft. Man mag zu Weihnachten stehen, wie man will, aber man kann sich diesen Ritualen nur schwer entziehen. Es mag ja viele Menschen aufregen, im Radio und in den Kaufhäusern ständig von “Last Christmas” und “Stille Nacht” berieselt zu werden. Aber hat es nicht auch etwas Altbekanntes, Gewohntes, Vertrautes, wenn man jetzt abends durch die weihnachtlich dekorierten Straßen und die erleuchtete Stadt streift und es an jeder Ecke nach Glühwein, Bratwurst und heißen Maroni duftet? Ob man sich dem Weihnachtsstress ausliefert und bis zum letzten Tag nach Geschenken hetzt, ist jedem seine Sache. Vielleicht macht man es dieses Jahr einmal ganz anders, und nimmt sich vor, bis Anfang Dezember alle Geschenke eingekauft zu haben, oder man entscheidet sich dafür, sich gar nichts zu schenken. Zu der Option, es dieses Jahr einmal ganz anders zu machen, hat man jährlich wiederkehrend die Gelegenheit. Ist das nicht schön?

Rituale sind für uns Menschen wichtig. Es gibt sie, seit es Menschen gibt. Laut Wikipedia ist ein Ritual eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende, meist formelle und oft feierlich-festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt. Sie wird häufig von bestimmten Wortformeln und festgelegten Gesten begleitet und kann religiöser oder weltlicher Art sein (z. B. Gottesdienst, Begrüßung, Hochzeit, Begräbnis, Aufnahmefeier usw.).

Rituale geben Halt und Orientierung. Kinder lieben Rituale. Als meine Kinder noch klein waren, durfte ich um Himmels Willen keines unserer Rituale ändern, das wurde mit lauter Entrüstung quittiert. Selbst heute bestehen sie noch darauf, von mir einen Adventskalender zu bekommen, obwohl sie längst erwachsen sind.

Alle Religionen leben von Ritualen. Buddhisten verneigen sich am Anfang und Ende einer Meditation und rezitieren Mantren. Auch eine christliche Messe wäre ohne Rituale gar nicht denkbar. Nur so ist es z.B. möglich, einen katholischen Gottesdienst am anderen Ende der Welt mitzufeiern, auch wenn man die Sprache nicht kennt. Rituale sind vertraut und schaffen Gemeinschaft und Zusammenhalt. Sie vermitteln Kontinuität und Beständigkeit. Eine Hochzeit lebt von Ritualen, angefangen vom Outfit, dem weißen Brautkleid, dem Sammeln von Pfennigen für die Schuhe, das Tauschen der Ringe, das Anschneiden der Hochzeitstorte, die Entführung der Braut, die Hochzeitsnacht etc.

Selbst unsere Berufswelt ist voll von Ritualen. Der Arzt im weißen Kittel rauscht mit seinem ebenfalls in weiß gekleideten Gefolge einmal täglich von Krankenhausbett zu Krankenhausbett und der Richter verkündet sein Urteil in einer langen schwarzen Robe, die überhaupt nicht mehr unserem derzeitigen Kleidungsstil entspricht.

In wenigen archaischen Kulturen finden sich heute noch wichtige Rituale, mit deren Hilfe schwierige Lebensübergänge gemeistert werden. Bei den Aborigines muss z.B. jeder Junge im Wald sein eigenes Grab schaufeln, wird darin bis zur Nasenspitze eingebuddelt und muss so die ganze Nacht allein verbringen. Am nächsten Morgen wird er von der Dorfgemeinschaft wieder heimgeholt, ist jetzt zum Mann geworden und wird auch so akzeptiert. Fehlen solche Rituale, wie in unserer modernen Welt, müssen Jugendliche sich und anderen durch waghalsige Aktionen, wie z.B. Bungee-Jumping, Autorennen oder Alkoholexzesse beweisen, dass sie ihre Kindheit hinter sich gelassen haben.

Rituale leben davon, dass sie immer wieder unverändert durchgeführt werden. Dies gibt ein Gefühl von Stabilität, Sicherheit und verschafft uns Menschen eine Art gemeinsames Bewusstseinfeld. Und wenn ich dann Ende Dezember “Last Christmas” nicht mehr hören kann, mir von den ganzen Lebkuchen und Weihnachtsplätzchen schlecht ist und ich froh bin, meine Weihnachtsdekoration wieder in die Kisten verpacken zu können, freue ich mich trotzdem nächstes Jahr Anfang Dezember wieder wie ein Schneekönig auf das Weichnachtsfest.