Leben im Jetzt, Teil 1

Im Hier und Jetzt zu leben, nur den Augenblick wahrzunehmen und genau diesen Moment mit Leben zu füllen, hört sich zwar leicht an, ist aber kein leichtes Unterfangen. Für mich jedenfalls. Viele spirituellen Meister lehren uns, wie wichtig es ist, im Jetzt präsent zu sein, denn nur hier findet das Leben statt. Nur im jetzigen Moment können wir aktiv sein, etwas bewirken. Die Vergangenheit ist längst passé, was einmal gesagt oder getan ist, kann man nicht mehr rückgängig machen. Ähnlich verhält es sich mit der Zukunft. Was noch nicht geschehen ist, kann ich theoretisch noch beeinflussen, aber eben nur im jetzigen Augenblick, also erst, wenn die Zukunft zum Jetzt geworden ist. Alles, was in der Zukunft passieren wird, ist vom jetzigen Zeitpunkt aus gesehen reine Spekulation. Es ist also völlig unproduktiv, sich mit der Vergangenheit und der Zukunft allzu lange zu beschäftigen.

Für mich selbst habe ich zwei Erkennungszeichen ausgemacht, die mir zeigen, dass ich mich nicht im Hier und Jetzt befinde. Diese zwei Kennzeichen sind Schuldgefühle und Sorgen.

Schuldgefühle resultieren immer aus der Vergangenheit. Sie entstehen als Folge meines Verhaltens. Ich quäle mich mit einem Ereignis herum, das schon längst vorbei ist, weil ich denke, ich hätte anders handeln sollen oder müssen. Schuldgefühle sind der absolute Feind des Augenblicks, denn sie bringen einen dazu, in der Vergangenheit herumzuwühlen und sich mit Dingen zu beschäftigen, die sowieso nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Mit Schuldgefühlen sind wir schon von Kindesbeinen an vertraut. “Du bist kein braves Kind, wenn du das noch einmal tust”. “Du solltest dich schämen!”. “Wenn du deine Hausaufgaben nicht machst, wird später nichts aus dir werden!” Auch in der Partnerschaft werden sie gerne hervorgeholt: “Du liebst mich nicht genug, sonst würdest du dich anders verhalten!”, oder: “Komm mir bloß nicht zu nahe, nachdem du mich so enttäuscht hast”.  Die berufliche Variante kann so oder ähnlich lauten: “Wenn Sie nicht bereit sind Überstunden zu machen, sollten Sie mal überlegen, ob dies die richtige Stelle für Sie ist” und so weiter und so fort.

Leider sind es nicht nur unsere bösen Mitmenschen, die uns Schuldgefühle eintrichtern. Das können wir nämlich selbst auch ganz gut, z.B. wenn wir irgendwelche Vorschriften, moralischen Gesetze oder selbstauferlegte Normen übertreten haben. Man kann sich Vorwürfe machen, wenn man zu jemandem grob war, wenn man seine Eltern zu selten besucht oder wenn man ein gutes Buch liest, obwohl man den Dachboden aufräumen sollte…die Liste ist lang.

Wenn man sich mit Schuldgefühlen ertappt, sollte man sich immer klar machen, dass dies völlig unnütze Gedanken sind. Selbst wenn man sein Handeln zutiefst bereut, kann man es nicht mehr ungeschehen machen. Solch ein  Denken führt uns weg vom Jetzt, also vom eigentlichen Leben, und lähmt jegliche Aktivität.

Über den zweiten Störenfried des Lebens im Hier und Jetzt, die Sorgen, lesen Sie demnächst hier in diesem Blog.

Ohne Worte von Thorsten Havener

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Über Weihnachten habe ich ein Buch gelesen, das mich sehr beeindruckt und auch inspiriert hat. “Ohne Worte” ist ein Buch über Körpersprache. Nun ist dies nichts Neues, schließlich gibt es genug Bücher darüber, wie wir unsere Mitmenschen aufgrund ihres Gesichtsausdrucks und ihrer Gesten besser verstehen können. Aber dieses Buch ist anders. Herr Havener ist gelernter Übersetzer, begeisterter Zauberer und durch jahrzehntelanges Training im Beobachten von Menschen ein Meister der Körpersprache geworden, wie er sich selbst bezeichnet.

Bekannt wurde er durch spektakuläre Dinge, wie z.B. die Suche einer vesteckten Person unter Millionen Menschen mit dem Hubschrauber oder das Manövrieren eines Autos mit verbundenen Augen über eine steile Bergstrecke nur mit der Gedankenkraft seines Beifahrers.

Man könnte jetzt denken, dieses Buch – übrigens bereits auf der Spiegel-Bestsellerliste – wäre jetzt ebenso spektakulär. Dem ist nicht so. Herr Havener macht uns in sympathischer Zurückhaltung klar, wie wichtig einerseits das richtige Deuten der Körpersprache sein kann. Dies verlangt jedoch viel Übung und Ausdauer bis man einen Mitmenschen zuverlässig durch die Sprache seines Körpers einschätzen kann. Jeder Mensch hat nämlich eine sogenannte “Baseline”, d.h. einen ganz individuellen Ausdruck, den es erst mal zu entschlüsseln gilt. Mit etwas Übung gelingt dies jedoch, laut Herrn Havener, bereits recht schnell. Was dann kommt, ist das wirklich Interessante. Indem man sein Gegenüber in unterschiedlichen Situationen beobachtet, wie er z.B. reagiert, wenn er selbstsicher, verlegen, ablehnend etc. ist, bekommt man nach und nach ein Gefühl dafür, was in ihm vor geht. Denn seine Worte sagen uns nicht immer alles und können manchmal ganz schön im Widerspruch zu dem stehen, was er wirklich denkt und fühlt.

Aufschlussreich und amüsant zugleich ist die Szene im Cafe, das Herr Havener besucht, um jeweils zwei Pärchen an den Nachbartischen zu analysieren. Was er da allein durch die Körpersprache an Erkenntnissen, z.B. über den Beziehungsstatus oder über deren Vorlieben gewinnt, ohne mit den Paaren je ein Wort gewechselt zu haben, ist verblüffend.

Ich jedenfalls habe nach der Lektüre richtig Lust darauf bekommen, meine Mitmenschen zu beobachten und dadurch tiefer in ihr Inneres blicken zu können. Wenn man bedenkt, dass laut einer Studie der University of California emotionale Botschaften nur zu 7 % durch Worte vermittelt werden, zu 38 % durch den Tonfall der Stimme und zu 55 % durch die Körpersprache, dann lohnt es sich auf jeden Fall, sich mit diesen 55 Prozent näher zu befassen.

Der König und das Rätsel

Der König und das Rätsel

Ein König hatte zwei Söhne und als er sich alt und gebrechlich fühlte und sein baldiges Ende kommen sah, stellte er ihnen ein Rätsel. Derjenige, der das langsamste Pferd hat, soll sein gesamtes Vermögen erben. Der Weg sollte vom Schloss in die Stadt und wieder zurück führen. Das ließen sich die beiden Söhne nicht zweimal sagen, setzten sich auf ihr Pferd und trabten los. Sobald der eine voran ritt, zügelte er sein Pferd, damit der andere ihn überhole. Genauso tat es der andere, was jedoch zur Folge hatte, dass die beiden irgendwann stehen blieben und keiner mehr wagte, sich nur einen Millimeter zu bewegen. So kamen sie nicht weiter. Was sollten sie nur tun?

Wie immer in solchen Situationen kam ein weiser alter Mann des Wegs. Sie fragten ihn um Rat. Er bat sie abzusteigen und sich zu ihm zu setzen. Nach einem kurzen Gespräch sprangen die beiden Söhne plötzlich auf, schwangen sich in den Sattel und ritten in schnellem Tempo davon und bald stand der Sieger fest. Was hatte der weise, alte Mann den beiden geraten?

Die Lösung ist, wie so oft, verblüffend einfach. Der Weise hatte den beiden geraten, die Pferde zu tauschen…

Der Zufall und das Flugzeugunglück

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Ende Dezember verunglückte eine indonesische Maschine der AirAsia. Ein Flugzeugabsturz, wie schon zweimal zuvor im Jahr 2014. Wir alle haben die Bilder der verzweifelten Menschen gesehen, die zum Flughafen gekommen waren, um zu erfahren, dass ihre Angehörigen den Flug höchstwahrscheinlich nicht überlebt hatten. Mitten unter diesen Menschen sind aber auch einige, die den Flug abgesagt oder verpasst hatten. Man spricht von 26 Menschen, die nicht im Flugzeug waren, und die deshalb noch leben. Unter ihnen ein Mann, der eine Email nicht öffnete, in der ihm mitgeteilt wurde, dass der Flug zwei Stunden früher starten würde. Oder ein Großvater, der seine Familie dadurch vor dem Absturz rettete, in dem er krank wurde, so dass die Familie den Flug absagte. Wer mehr darüber lesen möchte, bitte hier entlang.

Solche Ereignisse passieren ständig und überall auf der Welt. Wie in obigem Artikel werden sie als Wunder bezeichnet. Meist werden sie dem Zufall zugeschrieben. “Zufällig” wurde der Opa krank. Aber war es wirklich Zufall, dass der Familienvater seine Email nicht geöffnet hat und seine ganze Familie dadurch den Flug verpasste? Ich bin der Überzeugung, dass alles, was uns widerfährt, eine Bedeutung für uns hat. Nichts geschieht rein zufällig.

Ein Zufall enthält immer eine Chance, eine Gelegenheit, wie uns die englische Sprache zu verstehen gibt, denn “zufällig” heißt im Englischen “by chance“. Ein Ereignis, das zufällig in unser Leben tritt, hat also immer eine Bedeutung für uns, wir müssen sie nur entschlüsseln.

Die 26 Menschen jedenfalls, die nicht im Flugzeug saßen, obwohl sie ein Flugticket besaßen, werden dem Schicksal sicherlich unendlich dankbar sein für die zweite Chance, die sie bekommen haben. Das Neue Jahr 2015 wird für sie ganz bestimmt eine besondere Bedeutung haben. Auch wenn Sie keinen so spektakulären Jahreswechsel hinter sich haben, wünsche ich Ihnen ein gutes Neues Jahr und offene Augen und Ohren für alle Zufälle, die Ihren Weg noch kreuzen werden.