Sonnenfinsternis

Eine Sonnenfinsternis ist ein Spektakel, das sich alle paar Jahre wiederholt und die Menschen in seinen Bann zieht. Obwohl wir wissen, wie so eine Sonnenfinsternis zustande kommt, nämlich durch die Tatsache, dass der Mond genau zwischen Erde und Sonne steht, und diese damit teilweise oder ganz abdeckt, ist die Faszination groß.

Für unsere Vorfahren war so eine Sonnenfinsternis oft mit starken Ängsten verbunden, denn sie konnten sich diese ja noch nicht rational erklären. In China glaubte man zum Beispiel, dass ein großer Drache die Sonne fressen würde, in Brasilien nahm man an, dass ein großer Vogel die Sonne mit seinen Flügeln verdeckt und die Chippewa-Indianer dachten, die Sonne würde endgültig erlöschen und schossen daher mit ihren Pfeilen in ihre Richtung, um sie wieder zum Strahlen zu bringen. Die Sonne ist unser Lebensspender, mit ihrem Licht und ihrer Wärme sichert sie unser Leben hier auf der Erde. Würde sie verlöschen, wäre auch unser Leben zu Ende. So hatten unsere Vorfahren Angst um ihr Leben, denn sie wussten ja nicht, dass der Mond nach einigen Minuten den Blick auf die Sonne wieder freigibt und sie wieder scheinen lässt.

Ich selbst erinnere mich noch gut an die totale Sonnenfinsternis am 11. August 1999, die man hier bei uns in Süddeutschland gut beobachten konnte. Unsere Kinder waren damals 8 und 6 Jahre alt, also alt genug, um sich für dieses Spektakel begeistern zu lassen. Leider waren an diesem Tag viele Wolken angesagt und wir waren nicht sicher, ob wir die Sonne wirklich zu sehen bekämen. Also fuhren wir – alle vier mit Brillen ausgestattet – der Sonne entgegen. Wo immer wir auch unser Auto parkten und ausstiegen, schoben sich Wolken vor die Sonne. Wir waren schon ganz aufgeregt, denn es waren nur noch wenige Minuten, bis zur totalen Sonnenfinsternis. Aber wir waren auch nicht bereit aufzugeben, wir waren fest entschlossen, dieses Ereignis in voller Schönheit mitzuerleben. Mein Mann hängte sich immer wieder ans Steuer und fuhr einige Kilometer weiter bis zu einer Wolkenlücke, aber sobald wir ausstiegen, schoben sich Wolken vor die Sonne. Wir waren fast schon am Verzweifeln, als sich die Wolken plötzlich zurückzogen und die Sonne freigaben, vor die sich soeben der dunkle Mondschatten geschoben hatte. Fasziniert schauten wir alle vier in Richtung Himmel und jeder von uns hat gespürt, dass da etwas ganz Eigenartiges vor sich ging. Es wurde dunkler, die Vögel hörten auf zu zwitschern und es war für einen kurzen Moment so, als wenn die Welt still stehen würde. Ein kurzer Augenblick nur, und dann war alles schon wieder vorbei.

So eine Sonnenfinsternis ist eigentlich ein wunderbarer Moment, um kurz innezuhalten und sich bewusst zu machen, wie sehr wir mit der Natur verbunden sind und wie sehr wir sie brauchen, um zu leben.

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